Hintergrund

An dieser Stelle soll will ich ein paar der Konzepte und Gedanken, die meinen Blogeinträgen zugrunde liegen zumindest nennen.

Poststrukturalismus: Früher auch: postmoderne Philosophie. Eine Richtung kontinentaler Philosophie, die auf dem Boden der Phänomenologie, der (radikalen) Hermeneutik, Psychoanalyse, strukturellen Linguistik und der Ethnologie und Kulturwissenschaften entstanden ist. Vereinfachend gesagt, thematisieren diese Philosophien die Krise der Aufklärung. Sie thematisieren mit jeweils unterschiedlichen Methoden, unterschiedlichen Intentionen und unterschiedlichen Denkstilen die Krise des abendländischen Denkens. Dieses stellt sich dar als:

  • eine Krise der Bedeutung: “Truth is stranger than it used to be”. Wie kann man heute von Wahrheit und Sinn sprechen?
  • eine Krise der Identität: Wer sind wir heute, wenn all die klassischen Identitätsmarker (Geschlecht, Volk, Klasse) hinfällig werden?
  • eine Krise der Zukunft: Wie können wir heute noch eine Utopie formulieren ohne in totalitäres Denken zu verfallen? Können wir wirklich aufhören, Utopien zu bilden ohne damit das gegenwärtige Unrecht zu rechtfertigen?
  • eine Krise der Demokratie: Ist Demokratie heute nur noch technokratische Verwaltung oder Populismus? Wie kann Demokratie in Zukunft aussehen?
  • eine Krise der Ethik: Wenn uns das abendländische Denken nicht gegen Ausschwitz und Hiroshima abgesichtert hat, was hat es dann falsch gemacht?

folgende Denker werden dabei regelmäßig genannt:

  • Paul Ricoeur: ein Schwellendenker, der die klassischen Themen des abendländischen Denkens nicht völlig verabschiedet hat. Als Hermeneutiker befasst er sich mit Fragen des Sinns, der Imagination, der (religiösen) Symbolik, Metaphern und Narrativen. Dabei beschäftigte er sich auch immer wieder mit religiösen Themen wie Schuld, dem Bösen und Offenbarung.
  • Jaques Derrida: der Philosoph der Destabilisierung. Er vermittelt mit seiner Philosophie der Dekonstruktion ein radikales Bild der Krise der Bedeutung. Ein selbstironischer Denker, der klassische Texte liest und mit seinen Rand-Bemerkungen zu destabilisieren sucht.
  • Emmanuel Levinas: mit äußerster Ernsthaftigkeit kritisiert dieser Holocaust-Überlebende das abendländische Denken als Egologie, als Wissenschaft, die vom Ich ausgeht. Gegen diese Betonung setzt er die Verantwortlichkeit für den Anderen. Er entwirft eine äußerst strenge Ethik, welche die Erkenntnistheorie als erste Philosophie ablösen soll.
  • Michél Foucault: Foucault fragt als Genealoge danach wie die Erfahrungen, die wir für die natürlichsten halten (die Erfahrung unseres Leibes, die Sexualität, den Gebrauch unseres Verstandes, unsere Selbstkontrolle,das Reden und Schweigen und unser Blick) historisch bedingt sind. Er expliziert die Krise des klassischen Humanismus und der klassischen Humanwissenschaften, die nicht sehen, dass der Mensch in Machtstrukturen und “Diskursformationen” steckt, ja dass der Mensch erst in diesen Strukturen konstituiert wird. Typisch ist das Foucault’sche Grinsen, dass den überlegenen Blick und die Subversion ausstrahlt, die Foucault gerne für sich beansprucht.
  • Slavoj Žižek: auch ein Schwellendenker, der die Krise des Poststrukturalismus durchlitten zu haben meint und nach einem Weg heraus sucht. Als Jünger von Jacques Lacan, Hegel und Marx, sucht er danach wie – die multikulturelle, tolerante und grüne – Ideologie heute funktioniert und was nötig ist, um den Rahmen, in dem wir uns selbst und die Welt denken, radikal zu sprengen.

Emergent: Auch: emerging church, emerging conversation. Für mich ein Netzwerk, dass sich uA mit der Krise des europäischen Christentums in ihren verschiedenen Ausprägungen befasst. Diese Krise betrifft sowohl Freikirchen als auch Volkskirchen, sowohl liberales Denken als auch konservatives. Für mich ist emergent die Vernetzung von Leuten, die eine hoffnungsfrohe Unruhe in sich verspüren.

  • eine theologische Unruhe: Was könnte in den oben genannten Krisen die Aufgabe für christliches Nachdenken sein? Was könnte die christliche Erzählung unter diesen Umständen bedeuten? Was wäre der christliche Beitrag in diesen Krisen?
  • eine existentielle Unruhe: Was ist mein eigener Platz in diesen verwirrenden Zeiten? Wo ist ein Ort für meine Zweifel und Fragen? Was für ein Leben könnte ich in dieser Zeit führen?
  • eine praktisch-theologische Unruhe: Wie gehen wir damit um, dass Kirche nur ein bestimmtes Milleau bedient? Welche Strukturen könnte und müsste Kirche heute annehmen? Welchen Ort hätte die Kirche in einer Kultur, die man nicht ohne Abstriche christlich-abendländisch nennen möchte? Wie kann Kirche relevant und prophetisch sein?
  • eine kulturell-ästhetische Unruhe: Mit welche Sprache, welchen Symbolren und welchen Ausdrucksformen kommunizieren wir heute? Wie könnte das Christentum neue Ausdrucksformen finden? Wie sähe Kunst und Kultur unter diesen Umständen aus?
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One thought on “Hintergrund

  1. Piotr says:

    Hello, My name Piotr Zubowicz, I am writing from Poland,University of Gdańsk. I got this website adress from my friend Bożena Meske who is associated with CVJM-Hochschule.
    I am in process of reserch on emergent churches in US ( my Phd thesis is : Discourse of exclusion in traditional and emergent evangelical communities in US ). As far as I am concerned we have similar interests that is why I would like to know if You have any contacts with members of such commuties in US or maybe you are aware of internet forums where the problems of exclusion and inclusion are raised.It is necessary formy reserch ( interviews) and discourse analysis in thesis.
    I would be gratefull for any help. If You need any more detailed info about my thesis I will send it with pleasure.
    Hope to hear You soon,
    Piotr Zubowicz
    UOG Poland- Department of Pedagogy

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