Category Archives: Glaube

Freude als Widerstand (Adventsandacht)

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Meine Adventsandacht, gehalten im Ökumenischen Wohnheim am 16.12.2017.

In den zahlreichen satirischen und nichtsatirischen Jahresrückblicken ist man sich weitestgehend einig: das Jahr 2016 war zumindest politisch irgendetwas zwischen einer großen Katastrophe und einem epochalen Einschnitt in der Nachkriegeschichte. Denn nichts deutet darauf hin, dass das Jahr 2016 politisch nur eine Ausnahme war und danach alles wieder gut wird. Es ist selten, dass man so schnell spürt, wie ein großer Einschnitt durch die gesamte westliche Welt geht und die Ordnung nach dem Kalten Krieg plötzlich in Bewegung gerät.

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Das Emergent-Forum 2016

Ein denkwürdiges Wochenende voller Begegnungen geht zu Ende: das Emergent Forum 2016, dass sich durch die beiden Rednerinnen Christina Brudereck und Nadia Bolz-Weber inspirieren ließ, um sich mit dem Thema der Gastfreundschaft und der Gnade Gottes zu beschäftigen. Hier ein erster Rückblick. An anderer Stelle versuche ich noch einige Dinge aufzugreifen, und weiterzudenken und meine Sicht der Dinge einzutragen.

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Rezension: “Warum ich nicht mehr glaube” oder: Warum nicht FDP wählen?

Virginia I had a dream you invited us over
You still lived on the street where you laid down for good
We all sat on the floor as my kids swam around us
You smoked cigarettes like I knew you would

We were worried about your personal salvation
Was it heaven or hell that you saw when your eyes closed?
You smiled at us floating high above the question
Like you knew something we didn’t know

David Bazan – Virginia

Dieses Lied schrieb David Bazan, der große Geschichtenerzähler, Zyniker und mittlerweile “bekennender” Agnostiker für einen verstorbenen Freund. Bazan, der einst  Frontmann der christlich geprägten Indieband “Pedro the Lion” war, lässt in dieser Traumerzählung seinen verstorbenen Freund noch einmal aufleben, der, mit den ganz eigenen Sorgen seiner ehemaligen religiösen Mitstreitern konfrontiert, einfach wissend lächelt:
You smiled at us floating high above the question. Like you knew something we didn’t know“.

Und vielleicht ist das genau die richtige Herangehensweise an das Thema der Dekonversion, nämlich: was, wenn der andere etwas weiß, was ich nicht weiß? Was, wenn er einige Dinge viel klarer sieht, als ich/als wir?

Seit letzter Woche ist das Buch von Tobias Faix, Martin Hoffmann und Tobias Künkler zum Thema “Dekonversion” erschienen, es trägt den Titel “Warum ich nicht mehr glaube. Wenn junge erwachsene den Glauben verlieren” (SCM Brockhaus, 17,95 €). Das Buch basiert auf einer qualitativen Studie, welche die drei Autoren im Frühjahr 2012 bis August 2013 zunächst mit Fragebögen über das Internet und später in 15 Interviews durchgeführt hatten.  Es ist die populäre Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie und hat zwei unterschiedliche Zielrichtungen: zum einen will es die Gründe und Motive verstehen, die zur Dekonversion führen können, zum anderen will es Gemeinden auf krankhafte, einengende und wenig förderliche Prozesse hinweisen, die solche Dekonversionsprozesse begünstigen können. Dabei ist es kein Geheimnis, dass hier eher an Gemeinden im etwas konservativeren, soft-evangelikalen und pietistischen Spektrum mit einem eher hohen Grad an Beteiligung und Gemeinschaft gedacht wird, als an klassisch volkskirchliche Gemeinden.

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Rückschau auf’s Emergent Forum 2013

Der Zwischenraum ist ein Ort jenseits aller Orte.
Er ist ein undefiniertes Niemandsland zwischen zwei oder mehr fest umgrenzten Zonen.
Zwischenräume sind immer “weder hier noch dort” oder “sowohl ein bisschen hier als auch schon ein wenig dort”.
Ein solcher Zwischenraum ist für mich das Emergent Forum, dass sich auch in meinem Leben seit einigen Jahren als eine – wenn man das sagen darf – “feste Institution” eingebürgert hat. Seit Jahren arbeite ich bei Emergent Deutschland mit. Wenn ich es recht überlege, ist es das Engagement, dass ich am beständigsten und ausdauerndsten verfolgt habe. Doch fällt es mir nach so vielen Jahren immer noch nicht so leicht, zu beschreiben, was wir denn dort eigentlich machen.
Denn wie soll man ein Niemandsland beschreiben? Wie kann man einen Ort jenseits der Orte beschreiben?

So lud ich einen guten Freund aus Basel nach Berlin ein, den das Thema “Spiritualität” interessierte – ein Begriff, mit dem ich eher meine Probleme habe. Und wie Corinna und ich es taten, reiste er schon am Donnerstag in Berlin an.
Am Abend kamen wir dann ins Gespräch: “Was ist denn nun eigentlich dieses Emergent?” – eine Frage, die ich grundsätzlich nicht ohne ein Bier (und nach dem chinesischen Essen – einen Verdauungsschnaps) beantworten kann.

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Ein Glaube, der Aufruhr heißt

Nun fühle ich mich doch dazu genötigt, diesen Text hochzuladen. Nicht, weil er mir besonders gefällt. Im Gegenteil, ich finde ihn kindisch. Ich bemängele seine theologische und theoretische Inkonsistenz, ich finde es fehlen wichtige Dinge und andere sind hoffnungslos einseitig dargestellt. Bei manchen Sätzen würden zwei, drei Sekunden tieferen Nachdenken reichen, um ihre Oberflächlichkeit zu entdecken. Vor allem finde ich ihn prätentiös: er gibt vor, irgendwie tiefsinnig zu sein und ist doch voller Halbheiten, Klischees und geborgten Worten. Dennoch: es geht mir mehr um die Geste als um den Inhalt, es geht um Selbstüberwindung und darum, sich nicht hinter Theorien zu verstecken. Außerdem stellt sich die Frage: mit welchem Recht könnte ich den Text zurückhalten, nun da er doch geschrieben ist? Es ist ein Glaubensbekenntnis, aber dezidiert kein genuin “theologisches”, es geht nicht darum darzustellen, was das historische Christentum ausmacht, sondern eher darum sich dem anzunähern, was ich selbst für mich in meine Sprache übersetzen konnte. Ich brauche nicht dazu sagen, dass dieser Text ständig überarbeitet wird. 

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Mit Furcht und Zittern

Mit Zizek mache ich gerade bis zu meiner Prüfung Anfang November Pause. Aber ich bin weiter an Zizek dran werde auch weiterhin darüber bloggen, so wie es meine Zeit erlaubt. In der Zwischenzeit einfach einige Texte und Gedankenschnipsel zum Überbrücken.

Die Unfähigkeit, in seinem eigenen Namen zu sprechen.
Der Zwang immer wieder theoretisch zu reden oder ironisch oder schlichtweg vage.
Die Furcht davor, ertappt zu sein, sich festzulegen.
Die Schwierigkeit Worte zu finden, die nicht wirken wie Umstandskleidung, die einen zu groß ist, so dass man darin zu verschwinden droht oder unförmig aussieht.
Die schwitzigen Hände, der kalte Schweiß, das Stammeln.
Die Angst vor dem eigenen Pathos, vor dem Affirmativen, davor, dass  – so ganz ohne Filter gesprochen – deutlich wird, dass das Leben auf nichts als ein paar Kalenderweisheiten aufbaut.
Der Ekel vor dieser unästhetischsten aller Sprachformen.
Der Anachronismus zu sagen, wofür man steht, ja das Unzeitgemäße überhaupt “für etwas zu stehen”.
Die Dummheit, wirklich Stellung zu beziehen (mit all den militärischen Anklängen, die das hat) oder einen Standpunkt einzunehmen (denn ist das nicht das Gegenteil von “in Bewegung sein”)?
Die Schwierigkeit “Ich” zu sagen und nicht “man”.
Der Vodka, an dem man sich festhält, während man stottert.
Und der Körper, der alles will, nur nicht dieses.

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Alternativer Karfreitag

Gestern hatte ich die Ehre an einem Alternativen Gottesdienst von der Kubik-Gemeinschaft im Café NUN in Karlsruhe teilzunehmen.

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(Bilder von Hannegret Lindner: hannafaktur.de)

 

Dieser Gottesdienst beschäftigte sich mit dem Symbol des zerißenen Vorhangs. In den Evangelien wird berichtet, wie in der Stunde des Todes Jesu der Vorhang im Tempel zerriss. Dieser Vorhang trennte das Allerheiligste, in dem Gott Wohnung bezog, vom Rest des Tempels. Nur zum Yom Kippur, zum großen Versöhnungstag, durfte der Hohepriester das Allerheiligste betreten und dort stellvertretend für das außererwählte Volk Gott opfern. 

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