Category Archives: Filme

Žižek – Perverts Guide to Ideology

Acht Jahre ist es inzwischen her, dass Slavoj Žižek, der ja früher eine Karriere beim Film plante, zum ersten Mal so richtig auf der Kinoleinwand auftauchte, um in Überlänge (wie auch sonst) seinem Publikum die Filmgeschichte mit Hilfe seiner Theorien oder wohl doch besser anders herum: die Psychoanalyse mit Hilfe von Kinofilmen zu erklären.
Während es damals vor allem um die dunkle Welt des Begehrens, um die psychoanalytischen Motive wie Angst, Lust, den Blick, Phantasien etc. ging, widmet er sich in seinem 2012 produzierten neuen Kinofilm ganz den politischen Fragen (die bei ihm natürlich nie von Fragen des subjektiven Erlebens zu trennen sind).
Nun ist Žižeks “The Perverts Guide to Ideology” auf DVD erschienen (bisher nur in den USA).

Hier der offizielle Trailer:

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Žižek – Warum dein Facebook Profil doch nicht lügt

Man weiß es nicht, ob es als “practical joke” gemeint war oder allein als Marketinggag als Bryan Cranston, seines Zeichens Darsteller des Breaking Bad Hauptcharakters Walter White, auf der Comic Con auftrat. Auf dieser Messe, auf der sich nicht mehr nur die Comic Nerds, sondern auch Serienfans zu Duzenden tummeln und dabei gerne durch mehr oder weniger originelle Kostüme auffallen wollen, scheint es kaum möglich als Seriendarsteller ungesehen durch das Publikum zu schreiten. Doch Cranston hatte einen genialen Einfall: er verkleidete sich mit einer Maske seines Charakters Walter White und ging so durch die ahnungslosen Massen an Serien-Nerds und heimste Komplimente für sein originelles und professionelles Kostüm ein. Nur um dann am Ende auf dem Podium seine Maske abzunehmen und dahinter war: er selbst.

Bryan Cranston und seine Maske

Man könnte auch sagen: Cranston hat mit den Erwartungen der Leute gespielt. Während die Leute dachten: wer so viel Zeit und Energie darein steckt, seinem Serienidol täuschend ähnlich zu sein, der muss vermutlich ein einsamer Nerd mit zu viel Zeit und keiner Freundin sein. Hinter der Maske steckt sicher ein armes Würstchen, der sich in seine Fantasiewelt zurückzieht. Aber in Wirklichkeit war die Maske realer, als was dahinter war. Die Maske hat nichts verborgen. Die Täuschung der Maske bestand allein darin, dass sie vorgab etwas völlig anderes zu verbergen, während hinter der Maske nur das auf uns wartete, was die Maske ja schon andeutete: die Person des Bryan Cranston.

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Levinas & Fight Club

Ich kann es nicht lassen, Dinge zusammenzudenken, die nach gängiger Vorstellung nicht miteinander zu verbinden sind. Heute: das Frühwerk des jüdischen Philosophen Emmanuel Levinas und ein Hollywood-Klassiker.

Levinas, der aus Litauen nach Straßburg kam, um sich von dort aus mit der phänomenologischen Philosophie von Edmund Husserl und Martin Heidegger zu beschäftigen, gehörte zu jenen linksintelektuellen jüdischen Denkern, die in Frankreich schon früh die Gefahr des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland sahen. Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, sah man in Frankreich schon bald nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, die Bedrohung, die von Deutschland ausging. 

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Levinas schrieb in einen seiner ersten Aufsätze, die von ihm gedruckt worden im Jahr 1934 (ein Jahr bevor sein erstes Werk “Ausflucht aus dem Sein” erschien) eine Art philosophische Diagnose des Nazi-Regimes (“Einige Überlegungen zur Philosophie des Hitlerismus” in: ders. die Unvorhersehbarkeit der Geschichte), dass als Gegenbewegung zu einer ausufernden, banalisierten Freiheit auftritt:

Das Denken wird [im banalen Liberalismus] zum Spiel. Der Mensch wird seiner Freiheit selbstgefällig und will sich mit keiner Wahrheit mehr einlassen. Er macht aus seiner Fähigkeit zu zweifeln, einen Mangel an Überzeugung. […] Die Kultur wird von allem, was unecht ist, was nicht eigentlich ist, überschwemmt, vom Surrogat, das den jeweiligen Interessenslagen und der jeweiligen Mode dient.

Dies ist der Boden auf dem ein Vulgär-Existentialismus erblühen kann; ein Existentialismus, der nach dem Authentischen sucht, und diese Authentische findet er in der Unmittelbarkeit der eigenen Körper-Erfahrung: 

Einer Gesellschaft, die den lebendigen Kontakt zu ihrem wahren Ideal der Freiheit verliert, um deren degenerierte Formen anzunehmen, und die, weil sie nicht sieht, was dieses Ideal an Einsatz verlangt [..] erscheint das Ideal des germanischen Menschen wie ein Versprechen von Aufrichtigkeit und Eigentlichkeit. […] Das Wesen des Menschen besteht nicht mehr in der Freiheit, sondern in einer Art Verbundenheit. Wahrhaft man selbst zu sein heißt nicht mehr, den Flug über das Kontingente […] anzutreten; es heißt im Gegenteil, sich der urpsrünglichen, nicht wählbaren, einzigen Leib-Gebundenheit bewusst zu werden.

Ist dies nicht genau die Diagnose des Films Fight Club? (Link zum Trailer, Link zur Wikipedia)

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