[Subversive Kirche? – Einleitung]

Willkommen auf den neuen, alten Blog, unter neuer, alter Addresse bei WordPress. Da nun posterous seinen Dienst leider schließt, bin ich gezwungen wieder zurückzukehren zu WordPress. Deshalb stimmt die URL nicht mehr ganz mit dem Namen des Blogs überein, aber ich denke, darüber kann man hinwegsehen. 

Durch eine Diskussion bei Peter bin ich darauf gekommen, mal ein wenig in die historische Richtung zu bloggen und ein wenig über meine Recherchen zur DDR mitzuteilen. Das Thema beschäftigt mich eigentlich schon seit der 10. Klasse, als ich  miterlebt habe, wie schockierend kurz (oder sogar gar nicht) dieses Thema in den alten Bundesländern in der Schule behandelt wurde und folglich wie schief die Erinnerungskultur  ist. Ich denke tatsächlich, dass der Geschichtsunterricht dieses Thema nicht gut aufbereitet und dass so der Martin Sonnebornschen Ignoranz weithin Vorschub geleistet wird.

DDR3

Aber ich kann und will hier nicht die gesamte DDR Geschichte aufarbeiten, sondern mich auf ein Thema konzentrieren, das ich gerade für meine Prüfungen vorbereite: die Rolle von Kirche in der DDR und besonders deren Rolle als institutioneller Fremdkörper im realexistierenden Sozialismus unter deren Dach sich vermehrt alle Art von “subversiven Elementen” (wie es im SED Jargon so schön heißt) sammeln konnten. Ich habe hier immer mehr den Eindruck, dass von der Rolle die die Kirche als Raum in der SED-Diktatur spielte auch Inspiration ausgehen kann, wie sie sich heute unter ganz anderen Vorzeichen positionieren kann.

Man kann sagen, dass ein Aspekt von kirchlichen Handeln seit den späten 70ern, der oftmals nicht mehr sehr bekannt ist, dass sich in den Räumen der Kirche oder unter dem Schutzdach der Institution Kirche verschiedenste Arten von jugendlichen Subkulturen, lose asoziierten Querdenkern und Unangepasste, “Langhaarige” und seit den 80ern auch die alternativen Gruppen von pietistisch-charismatischen Hauskreisen bis hin zu Friedens- Umwelt und Bürgerrechtsbewegung getroffen hatten. Teilweise indem dort Kirchengemeinden eine waghalsige, selbstmörderische Gastfreundschaft betrieben (bis hin zu Punkkonzerten in den Kirchenräumen), teilweise aber waren die Kirchengemeinden auch wenig begeistert. Das war vielleicht der einzige Punkt, an dem in der Spätphase der DDR sehr konservative Christen mit der SED übereinstimmten: in dem Satz “Kirche muss Kirche bleiben”. Dies bedeutete, dass Kirche sich nicht für politische Anliegen vereinnahmen lassen sollte und doch bitte für ihre Kernaufgabe “den Kult” und “die Seelsorge” vielleicht auch ein bisschen Diakonie kümmern sollte.

So gab es einige Brennpunkte von kirchlichen Alternativen Gruppen. In Leipzig  seit Anfang (!) der 80er Jahre schon die Friedensgebete in der Nikolaikirche, dazu ein anderen Mal mehr, in Berlin die Umweltbibliothetk in der Zionskirche, in der auch vom Staat unterdrückte Literatur in Umlauf gebracht wurde, es gab immer wieder “Blues-Messen“, also als Gottesdienst deklarierte Konzerte von allerlei Blues, Rock’n’Roll und “Beatmusik” Gruppen und natürlich die zunächst vor allem in Jena, später auch in anderen Teilen “der Republik” vorhandenen Offenen Arbeiten der “Jungen Gemeinden” (JG oder JuGe), die eine Art Sammelbecken für wenig angepasste Leute wurde und damit eigentlich so eine Art Sozialarbeit betrieben.

Bekannt ist in diesen Zusammenhang vor allem die JG Jena Stadtmitte, in der sich verschiedene Freigeister von Studenten bis zu Punks wiederfanden und zum ersten Mal die Erfahrung machten, frei reden zu können. Immer wieder hört man in Zeitzeugenberichten die Formulierung, wie wichtig es war, einen Ort vorzufinden, an der ein anderer Jargon herrschte, in der es keinen Konformitätszwang gab, in der man sich plötzlich auf seine Art ausdrücken konnte und kritisch zu diskutieren lernte. Man hört auch immer wieder, das sei wie wenn jemand plötzlich ein Fenster aufmachte.

Bekannt wurde diese Arbeit ja durch den Pfarrer König, der seines Zeichens zur Zeit in Dresden wegen schweren Landfriedensbruch angeklagt ist, weil er bei einer Antinazidemo zur Gewalt aufgerufen haben soll. Man hat nachdem man die Anklageschrift gelesen hat, hier eher den Eindruck, es wird ein prominenter Sündenbock gesucht. Aber er soll hier einmal zu Wort kommen in Bezug auf sein Engagement in der JG Jena vor der Wende.

Dies alles soll nur zeigen: es gab ein in den alten Bundesländern kaum bekanntes Phänomen nämlich den partiellen Zusammenschluß von alternativen Gruppen und Künstlern aller Art und einigen mutigen kirchlichen Mitarbeitern. Damit soll jetzt noch nichts zur Rolle der Kirche im allgemeinen gesagt werden. Nur zeigt sich darin, wie subversiv “Gastfreundschaft” sein kann, in dem nämlich Gruppen und Personen eine Stimme und ein Ort gegeben wurde, die sonst im gesamten System keinen Ort und keine Stimme hatten.

Ich würde gerne hier noch mehr ins Detail gehen und einige Geschichte dazu “erzählen” und hoffe, das mir das gelingt, obwohl ich in Ende April meine Staatsexamensprüfung haben werde.

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One thought on “[Subversive Kirche? – Einleitung]

  1. k. (@k_lora) says:

    danke, das ist interessant! die videos konnte ich leider nicht anschau’n, probier ich morgen nochmal. alles gute jedenfalls für’s examen. es wird ein leben danach geben 😉

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