(Post-säkular: Mission)

Wenn man sich die Mitgliederentwicklung der Kirchen anguckt, könnte man vielleicht auch auf das Thema Mission kommen. Aber außer in Greifswald findet das Thema an theologischen Fakultäten soweit ich weiß nicht wirklich statt. 

Und tatsächlich: wenn man ein Brainstorming zum Wortfeld “Mission” machen würde, würde wohl wenige Beiträge kommen, die nicht nach physisch-kollonialer oder psychschisch-manipulativer Gewalt klingen werden. 

Doch vielleicht meint Mission ja nicht “weltanschauliche Werbung” mit dem Ziel neue Mitglieder zu gewinnen (und vielleicht wäre also die obige Einleitung irreführend). Vielleicht ist Mission dem Wortlaut nach ersteinmal der Impuls zur Grenzüberschreitung. Mission ist die Suche nach der unwahrscheinlichen Begegnung. 

Beim Kirchentag waren viele selbsternannte Missionare unterwegs, die mit der Botschaft, die sie auf dem Kirchentag vermuteten nicht zufrieden waren und die – ich nenn’s jetzt mal – das Gespräch mit Leuten vor Ort suchten. Und was man auch über die ultrakonservative und pietistische Botschaft dieser Leute sagen muss, so muss man doch betonen: irgendwie hat das ganze auch etwas rührend sokratisches. Wer sucht denn heute noch das Gespräch mit Menschen über Milieugrenzen hinweg? Ich glaube nun ganz und gar nicht, dass diese auf Individuum zielende Werbung gut ist, aber eine andere Frage ist:

Was passiert mit Kirche ohne Mission?

Was wird aus einer Gemeinschaft, die nicht mehr die Überschreitung sucht, sondern sich selbstzufrieden in einem Milieu einrichtet? Was passiert mit der Sprache einer Gemeinschaft, die sich nicht mehr kritischen Fragen stellen muss? Was passiert mit einer Gemeinschaft, die nicht mehr auf der Suche nach der unwahrscheinlichen Begegnung ist? Degeneriert nicht das Christentum? Verliert es nicht all seine Dynamik? Wird es nicht zu einem bildungsbürgerlichen Club mit Predigt? War nicht ein Großteil der innovativen (auch theologischen) Entwicklung der Begegnung mit andersgläubigen entwachsen? Also erwächst hier nicht eine Frage, die auch Peter Rollins schon gestellt hat: 

Geht es nicht bei Mission um unsere eigene “Bekehrung”?

Geht es nicht darum, dass wir zu Menschen werden, die dem Anderen begegnen und von ihn bereichert werden können? Geht es nicht darum, dass wir selbst nur unseren Glauben kennen lernen, wenn wir ihn andersgläubigen erklären müssen? Kann es nicht sein, dass wir die unwahrscheinliche Begegnung brauchen, um selbst auf den Weg zu bleiben? Um also selbst nicht selbstzufrieden zu werden? Und in diesem Kontext kann es dann passieren, dass die christliche Lebensform und die christliche Hoffnung auch mit einen gewissen Selbstbewußtsein aber ohne irgendwelche Erwartungen zur Sprache kommt. 

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