Kontext- ualisierung I

Vergangenes Wochenende, trafen sich verschiedene Leute aus der Emergent Bewegung um zu den wirklich großen Thema “Was ist das Evangelium?” Stellung zu nehmen.

Wenn man mit einigermaßen offenen Augen durch die christliche Szene spaziert, wird man eventuell recht schnell auf die Frage kommen: “Kann man überhaupt von dem einen Evangelium sprechen? Erzählen nicht verschiedene Gruppen ein ganz verschiedenes Evangelium?”.

Ich möchte hier den Fakt der Kontextualität des Evangeliums nachgehen. Das Evangelium ist immer ein “Evagengelium nach Johannes, Markus, Lukas, Paulus” etc. Dabei ist ganz naiv zu sagen: das Evangelium ist zunächst eine Geschichte bzw. eine Sammlung von Geschichten. 

Paul Ricouer spricht von einem “Bedeutungsüberschuß” (engl. surplus of meaning) von Symbolen, Metaphern und Narrativen gegenüber Begriffen. Anders ausgedrückt: ein Symbol, eine Geschichte etc. lässt sich nicht verlustfrei in Sätze packen. Man kann nicht einfach sagen, was dieses Symbol bedeutet; es ist immer “dies und mehr als dies”. 

Auf der anderen Seite kommt man eben nicht herum, immer wieder zu explizieren, was dieses Symbol bedeutet. Entweder in Anfragen von außen, in Auseinandersetzung mit Menschen, die dieses Symbol nicht intuitiv verstehen oder einfach um sprach- und handlungsfähig zu bleiben. So wird aus einem Symbol ein Definition, eine Botschaft. So entsteht aus der narratio das kerygma.

Somit ist also jede Predigt, jedes begriffliche Reden über die symbolisch aufgeladene Christusnarrative der genauso notwendige wie unmögliche Versuch, das auf den Begriff zu bringen, was nicht auf den Begriff zu bringen ist. Folglich ist das Christentum immer schon Übersetzung, ein nicht zum stehen kommender Prozess der Übertragung von Symbolen in Begriffe. 

Doch diese Begriffe “erkalten”, sie werden zu einem zeitlosen Extrakt der “wahren Botschaft des Christentums”. Dies macht es erforderlich, von dem Fakt der Kontextualität (Christentum ist immer die Beschreibung des Unbeschreiblichen in einem gewissen Kontext) zur Notwendigkeit der Kontextualisierung zu gehen. Hier geht es darum, erstarrte Begrife aufzubrechen. Es geht darum, den “Rest”, der nicht übersetzt worden ist und der nicht übersetzbar ist wieder geltend zu machen. Es geht darum, den Prozess der zum stehen gekommen ist (oder der zum Beispiel in eine Sackgasse geraten ist, wenn der einzige legitime Kontext die Akademie wird) wieder in Gang zu bringen. Es geht darum, dass kerygma im Fluß zu halten ohne jedoch die Notwendigkeit, eine Botschaft “herunterzubrechen” zu leugnen. Wir müssen immer wieder -auch in Form von Satzwahrheiten – über die Symbole des Glaubens reden, doch dabei die Vorläufigkeit dieser Satzwahrheiten immer wieder deutlich machen.

Das wäre mein erster Gedanke dazu, worum es bei der Kontextualisierung geht. Aber ich merke, dass hier mir selbst vieles noch unklar ist.

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