Tanzverbot & das dreifache Amt

Dieser Post erschien schon auf meinem alten Blog ungefähr zeitgleich mit der Erstellung dieses Blogs und wird deshalb nochmal gepostet. 

Am Karfreitag darf nicht getanzt werden. Was in den letzten Jahren kaum ein Thema war, ist jetzt durch die Grünen in Baden-Würtemberg zum Gegenstand der Diskussion geworden. Daniel merkte kritisch an, das die Kirchen nicht Andersgläubigen vorschreiben sollten, wie sie ihre freie Zeit gestalten dürften. Ich denke ähnlich. Ich glaube zwar, dass es gesund ist, in gewissen Rythmen zu leben, die auch teilweise von außen vorgegeben werden müssen. Aber ich weiß nicht, inwieweit es in einer post-christlichen Kultur der Masse vorzugeben, wie sie diesen Tag zu gestalten hat. Ich selbst habe den Tag gestern mit einer Mischung aus Besinnlichkeit und Begegnung mit guten Freunden begangen, was zu meinem Bedauern nicht ganz ohne gute Laune ablief.

Ich frage mich indes, wie die Kirchen sich selbst  verstehen, wenn sie eine solche Regelung erbittert verteidigen. Dabei musste ich an das dreifache Amt Christi denken. Eine Lehre die unter anderen Jean Calvin vertrat und nach der Jesus Christus sowohl König, Priester und Prophet war. Der Trick dabei ist: diese Ämter prägen auch die Aufgabe der Kirche in einer Gesellschaft.

Und das geht so:

Christus als König bezeichnet die Aufgabe diese Welt zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Laut Michael Welker ist es hierbei aber zu betrachten, wie Jesus selbst sein Königtum verstanden hat, denn er grenzte es scharf von “den Herrschern dieser Welt” ab, die durch Gewalt regieren. So besteht sein Königtum am Dienst an der Welt, der paradigmatisch am Akt der Fußwaschung wird.

Christus als Priester bezeichnet das Werk der Versöhnung. Christus überwindet den Graben zwischen Menschen und Gott und zwischen Menschen untereinander durch das Kreuz. Dies bezeichnet auch die Aufgabe, in der Gegenwart Menschen in Kontakt mit Gott zu bringen und zu einem Leben in Versöhnung mit Gott und anderen einzuladen.

Christus als Prophet bezeichnet den Bruch mit dem Status Quo. Propheten sind Rand-Figuren, die nicht aus der Mitte der Gesellschaft sprechen sondern die den Status Quo in Frage stellen. Es geht hier zunächst um eine Intervention, um ein Zwischenruf, eine Unterbrechung im Status Quo und nicht um die Gestaltung des Status Quo oder um Versöhnung im Status Quo.

Vielleicht wird Kirche komisch, wenn diese letzte Funktion zurückgeht (Stichwort: Max Webers “Routinisierung des Charismas” in der das unmittelbare charismatische Erleben zugunsten der Rationalisierung verschwindet). Vielleicht verschwimmen die Konturen der Kirche wenn sie sich zu sehr auf das königliche Amt beschränkt und dieses zu sehr im Sinne des Status Quo ausübt.

Auf der anderen Seite wäre eine Kirche die nur prophetisch sein will stark in der Gefahr eines weltflüchtigen, anachronistischen Daseins, das zwar radikale Kritik kennt, aber kein verantwortungsvolles, konstruktives Engagement.

Zuletzt ist eine Gemeinschaft, die sich stark auf das priesterliche Amt konzentriert, entweder als stark liturgische oder als stark evangelistische Kirche denkbar. Bei beiden geht es stark um überzeitliche Werte und um einfache Ich-Du bzw. Ich-und-mein-Gott-Beziehungen, aber kaum um das Reich Gottes, wie es schon jetzt Gestalt nehmen soll in dieser Welt.

Also mein Plädoyer: die Kirchen sollen ihre Herrschaft als Dienst an den Menschen verstehen. “Der Sabbath ist um der Menschen willen da”. Insofern ist nicht unbedingt die Frage, wie man auf gesetzlicher Ebene dahin wirkt, dass die Menschen des Karfreitags gedenken, sondern die Frage würde lauten: wie sähe ein Dienst der Kirche an der Welt im Lichte des Karfreitags-Oster-Geschehens aus?

 

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