Alternativer Karfreitag

Gestern hatte ich die Ehre an einem Alternativen Gottesdienst von der Kubik-Gemeinschaft im Café NUN in Karlsruhe teilzunehmen.

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(Bilder von Hannegret Lindner: hannafaktur.de)

 

Dieser Gottesdienst beschäftigte sich mit dem Symbol des zerißenen Vorhangs. In den Evangelien wird berichtet, wie in der Stunde des Todes Jesu der Vorhang im Tempel zerriss. Dieser Vorhang trennte das Allerheiligste, in dem Gott Wohnung bezog, vom Rest des Tempels. Nur zum Yom Kippur, zum großen Versöhnungstag, durfte der Hohepriester das Allerheiligste betreten und dort stellvertretend für das außererwählte Volk Gott opfern. 

Der Gottesdienst nahm dieses Bild auf und gestaltete den sehr schönen Raum im Café Nun dementsprechend. Ein großer Vorhang trennte ein Teil des Raumes ab. Manche der Gottesdienstbesucher bekamen einen blauen Punkt beim Betreten des Cafés und wurden so als “außerwähltes Volk markiert”. Sie genossen im Gegensatz zum Rest der Besucher besondere Privilegien: sie bekamen eine Tüte in der ein Trinkpäckchen mit Milch und eine Honigwaffel waren. Dies als Zeichen der besonderen Segnungen (Milch und Honig) und sie konnten an einer Station Stoffe mit ihren Gebeten beschreiben und diese am Vorhang abgeben. 

Während ruhiger Ambient Musik konnte man sich im Raum bewegen und an verschiedenen Stationen das Geschehen um Karfreitag nachvollziehen. So gab es eine Station, die die Verlassenheit Jesu darstellte. An dieser sollte man Essig riechen und trinken, der als Zeichen des Spotts in den Passionsgeschichten auftaucht. Eine andere Station stellte mit Steinen und zurechtgebogenen Kerzen die Verbindungen dar, aus denen ein Leben besteht. Jeder nahm Kerzen, die er zerbröseln sollte als ein Zeichen für den Verbindungsabbruch. 

In einer dramatischen Sequenz wurde dann der Vorhang zerrissen. Mit verschiedenen Texten wurde dieses Symbol dann gedeutet. Sehr schön fand ich die Deutung, die den zerrissenen Vorhang als einen Ausbruch Gottes deuteten. Gott gibt sich nicht damit zufrieden in den Grenzen zu leben, den Menschen ihm gegeben haben und er bricht aus diesen aus. Nun wurde auch die Trennung zwischen auserwähltem Volk und anderen Gottesdienstbesuchern aufgehoben und alle bekamen ihr Trinkpäckchen. An der Kerzen-Station wurde das zerbröselte Wachs aufgesammelt und man konnte es zu einer neuen Kerze gießen. 

Es war für mich ein äußerst schöner, eindrücklicher und symbolisch reicher Gottesdienst, der mir auch neue Perspektiven nahe brachte. Denn das Bild des grenzüberschreitenden Gottes war für mich noch im Zusammenhang mit Karfreitag wenig präsent. 

Nur eine Frage bleibt: Was hat eigentlich der Tod Jesu am Kreuz mit dem zerrissenen Vorhang zu tun? Wie stehen diese beiden im Zusammenhang?

 

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4 thoughts on “Alternativer Karfreitag

  1. tobijahu says:

    Um in der Deutung des Ausbruch Gottes zu bleiben: Er bricht nicht nur im Tempel aus, sondern auch am Kreuz, indem er das Unvorstellbare erleidet. Es symbolisiert also dasselbe. Manch einer mag es auch kausal wahrnehmen: Weil Gott am Kreuz stirbt, bricht er aus dem Tempel aus.

  2. Arne Bachmann says:

    Ja es ist sicher in den Texten kausal gedacht. Nur – naiv gefragt – warum konnte Gott den Vorhang nicht so zerreissen?

  3. tobijahu says:

    Das ist demnach dieselbe Frage wie: "Warum musste Jesus ans Kreuz?" Das wiederum ist eine _der_ Fragen …

  4. Daniel says:

    Arne, ich sehe diesen Eintrag eben erst. Für mich stehen Kreuz und Vorhang in Verbindung – bspw. im Tempelbild, dass von Jesus schon früher gebraucht wurde – deuten jedoch auch auf unterschiedliche Aspekte hin, die je für sich genommen nicht mit diesem verbundenen Geschehen in Verbindung gebracht worden wären …

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